Eine Fesselung entscheidet die Meisterschaft

Es liefen nur noch 2 Partien im großen Gipfeltreffen von Baden-Baden und Hockenheim in der 14. und vorletzten Runde der Schach-Bundesliga. Die spannendste Saison der letzten Jahre neigte sich ihrem dramatischen Höhepunkt zu, denn beim Stand von 3:3 war es klar, dass der Gewinner des Spieltages die Meisterschaft im Prinzip für sich entscheiden würde. Da die andere laufende Partie Saric – Wojtaszek remisliche Tendenzen hatte, richteten sich alle Augen auf die Partie zwischen Bacrot – Buhmann.

Bacrot – Buhmann nach 46.Ta7

Weiß hat zwar 2 Mehrbauern, aber seine Figuren stehen sehr unkoordiniert. Der Turm deckt den Springer a4, der wiederum den b2 deckt und so hat Weiß große Schwierigkeiten Fortschritte zu machen. Deswegen hat Schwarz einige Züge, um das Remis zu halten, z.B. ein beliebiger Königszug. Buhmann versuchte stattdessen den b2 mit 46…Lb5?? direkt zu gewinnen, wonach die Fesselung nach 57.Tb7! die Partie sofort entscheidet. Schwarz musste danach mit TxSa4 in ein für Weiß leicht gewonnenes Turmendspiel mit 2 Minusbauern abwickeln und gab bald die Partie auf.

Ivan Saric schaffte es in seiner Partie an Brett 3 gegen Radoslaw Wojtaszek mit großer Kreativität noch einmal Gewinnchancen zu erzeugen und damit den Meisterschaftskampf doch noch mal spannend zu machen!

Saric – Wojtaszek nach 53.De6

Auf den ersten Blick scheint in dieser Stellung mit gleichem Material und symmetrischer Bauernstellung nicht viel los zu sein. Wenn man etwas tiefer schaut, erkennt man aber schnell, dass Schwarz nach dem starken weißen Zug 53.De6! tatsächlich kaum einen sinnvollen Zug hat und trotz Dame nahezu in Zugzwang ist. Eine fantastische und unerwartete Ressource von Saric, der natürlich nach seinem Blackout im Turmendspiel am Tag zuvor, der Hockenheim das 4:4 kostete, auf Wiedergutmachung aus war.

Nach etwa 53…Kh8 kommt Weiß mit 54.Se5! schnell auf die Siegerstraße. Wojtaszek fand die praktisch gute Verteidigung 53…Dg6!. Das gibt zwar den d5 auf, aber mit h5-h4 wird die weiße Königsstellung geschwächt. In einer praktisch schwierigen Stellung wurde Sarics Vorteil dann immer kleiner und am Ende musste er Remis geben, womit Baden-Baden den 4,5:3,5 Sieg davon trug.

Bei 2 Punkten Vorsprung und mit Speyer-Schwegenheim als letzten Gegner müssten schon sehr viele Wunder geschehen, damit die OSG Baden-Baden den Titel in der letzten Runde am Sonntag nicht verteidigt.

Autor: David Riemay